Cotswold Way | Tag 4

Wieder ist es genau 9.03 als wir loswandern. Wir sind guter Dinge, 24km müssten zu schaffen sein. Es werden erneut mehr, viel mehr, total 36, dazu ist es, wie uns am Abend die reizende Landlady Jane sagt, wohl die Etappe mit den meisten Höhenmetern, ausserdem Sonne, ein Spätsommertag erster Güte.
Zunächst geht es wieder nach Painswick hinein, der Ärger darüber, dass wir sehr häufig in weit vom Way abgelegenen B&Bs schlafen kommt erst am Abend, als noch einiges mehr im Argen liegt.
Nach Painswick geht es bald hoch auf eine weitere Allmend, Kühe schauen beteiligungslos, wieder fehlt ein Posten, wieder landen wir oben auf dem Hügel falsch. Remos Natel empfängt meinen Anruf beim zweiten Versuch, wir treffen uns und pilgern der Hauptstraße entlang vorwärts zum Weg.
Dann langer Marsch durch Wälder, Zeit, die Blase und die wunden Fußsohlen zu spüren, ab und zu Spaziergänger mit Hunden, «Good morning» gilt bis Mittag.
Sehr schöne Aussichten bei Haresfield Beacon, früh am Tag nehmen wir den Hin-zur-Aussicht-und-wieder-zurück-Kurs noch gelassen und was wir sehen ist wirklich die Mühe wert: Gloucestershire in diesigem Sonnenschein soweit das Auge reicht. Dann Standish Wood, ein großer Wald mit alten Bäumen, viele Hündeler, einmal ein Mann mit zwei gewaltigen Rhodesian Ridgebacks, ich überlege mir, wie man die Gehstöcke Gewinn bringend einsetzen würde, als mich der größere Hund mit Augen durchdringt, die aus einer Zeit zu stammen scheinen, als der Mensch dem Biest regelmäßig unterlag. Die Hunde gehorchen dem Herrn mit hoher Stimme aber perfekt. «Good Morning», immer noch. Kurz darauf, ich sitze auf einer Bank und warte auf Remo, merke, dass es gut ist, regelmäßig die Füße vom Körpergewicht zu befreien, holen mich die vier jungen Engländer ein. Wieder vereint mit Remo Gespräch über das Altern, die Studenten sind wohl jung genug, dass sie in einer anderen Generation unsere Söhne wären, Remo meint, da ist es ja wohl in Ordnung, dass sie schneller unterwegs sind als wir. Der hinterste von ihnen ist etwas dicker und erinnert in seiner teddybärchenhaften Art zu grüßen an Martin Freeman. Gespräch über die neue Sherlock Holmes Umsetzung.
Runter ins Tal nach Stonehouse und Stroud kämpfe ich, dann aber Ablenkung: Zunächst eine Kuh, der irgend etwas die Schwanzquaste komplett zerbissen hat. Sie blutet stark, schlägt aber weiter nach Fliegen, ihr ganzes Hinterteil ist rot getränkt. Später Gespräch über den Wert einer Kuh, ob Schlachten wohl heute billiger ist als verarzten. Kurz danach: Weinbau in England! Ich staune — auch darüber, dass ich keine Trauben sehe, es ist September. Schliesslich déjà vu: Zwischen den Stöcken sitzen zwei Frauen und ein Mann und essen Lunch aus Plastikgeschirr, ich könnte schwören sie sind Cape Coloureds.
Unten dann ein Fluss in der Talsohle, ich warte auf Remo. Gespräch darüber, dass es für mich seltsam ist, dass ich hier so viel aus Südafrika wieder erkenne und dass für mich ja Südafrika das Original ist, England, der Ursprung dieser Trottoirränder Straßenschilder, usw., usw. die Kopie! Und eben: Coloureds in Weingärten habe ich wirklich schon anderswo gesehen.
Am Fluss sitzen die Engländer und essen, wir grüßen jetzt wie alte Bekannte. In King’s Stanley, zehn Minuten weiter, unser Mittagesse. Ich setze mich und danach geht es den Sohlen besser, auch wenn es wieder nur zwanzig Minuten Mittagsrast waren. Im Aufstieg nach Sisley übersehen wir einen gut getarnten Wegweiser, der noch dazu auf der Straßenseite im Busch steht, auf der kein Trottoir ist, ein freundlicher junger Bauarbeiter mit Journalistenbrille und langem Haar weist uns den Weg zurück. Steiler Aufstieg zum Sisley Wood, mir wird endlich klar, woher unsere schlechten Kilometerzeiten kommen: Es geht hier viel auf und ab. Im Wald dann Gedanken an die Zukunft der Schule und schon vergeht eine Stunde schmerzfrei und wie im Fluge. Interessant: Genau jetzt kommt eine SMS eines Kollegenfreundes rein, ich schreibe zurück, er findet wohl nicht, ich sollte jetzt erreichbar sein. Im Wald auch gelegentlich großartige Aussichten auf Gloucestershire, der Höhepunkt heisst Coaley Hill, Blick bis zum River Severn und der Tintern Abbey!
Ab da wieder Qual, Sohlen und eine Abkürzung, die in Brennesseln und einem Kampf gegen Stacheldraht endet, schliesslich aber ist Dursley erreicht, der erste Ort frei von Schönheit, dafür mit Supermarkt, wir bunkern Wasser und Lunch und machen uns dann die Meile Steilwand hoch zum Golfplatz, hinter dem das B&B liegt. Bad keine Dusche, weisse Eichendielen, alls alt und geschmackvoll und schön. Jane fährt uns ins Tal, wir wählen das von ihr empfohlene indische Dilraj, essen schnell, da jetzt besorgt über den Abschluss — ich erreiche auf drei Nummern niemand, um zu reservieren, auch Martina kann aus der Schweiz nicht helfen, das letzte B&B ist offenbar am Ende der Welt und unser Zug aus Bath fährt um 8.13 am Samstag. Beschluss, morgen den Reiseveranstalter auf den Plan zu rufen, dies zu lösen.

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