Cotswold Way | Tag 3

Die Landlady, Jill, wirkt freundlich-bestimmt, aber «she can be vicious», warnt uns der Mann im Haus, wir finden nicht heraus, ob er Jills Mann ist. Wie auch immer, Jill empfiehlt, vor oder nach 8.30 zu essen: Eine indische Familie mit sechs Mitglieden ist auf dann gebucht. Wir wählen 8 Uhr, wie immer, um 8.15 kommt eine junge indiache mutter mit reizender 2-jähriger Tochter herunter, später auch der Mann, zunächst in rosa Socken, als er uns sieht, rennt er wieder hoch und holt Schuhe. Um 9 Uhr sind wir unterwegs, man hat uns die Tür gewiesen, freundlich und bestimmt, die Schuhe ziehen wir auf der Kies-Vorfahrt an.
Die ersten Kilometer an diesem langen Tag sind quasi «hors concours», sie zählen nicht: Wir müssen Wasser holen bei der BP-Tankstelle und das B&B ist fast eine Meile vom Cotswold Walk — die selbe Meile haben wir schon gestern Abend gratis dazu gegeben, man wird geizig, wenn die Fußsohlen richtig schmerzen. Ich frage mich, ob die wohl 20-jährigen Wanderschuhe meines Schwiegervaters vielleicht doch nicht mehr ganz so gut zu Wege sind. Ab Kilometer 20 sind die Wiesen trocken und ich wünsche mir, ich hätte die Turnschuhe im Tagesrucksack, statt im Koffer, den die «Boys» (alle Landladies nennen die Kofferfahrer so) nach Painswick transportieren. Ich nehme mir vor, die Turnschuhe morgen in den Tagesrucksack zu quetschen. Etwas Platz kann ich schaffen, wenn ich den ungebrauchten Feldstecher und den in diesem Spätsommer wohl unnötigen Wärmer nicht mehr mittrage. Die Lage des B&B bedeutet, dass aus den geplanten 30.5km sicher 32 werden — man wird geizig, wenn der Knieschoner, nassgeschwitzt, sich in den Oberschenkel fressen.
Der erste Aufstieg hat es in sich, man findet die Wanderin aus Boulder, Colorado, die die Aufstiege im Gespräch gestern lächerlich fand, etwas überheblich. Kurz vor der Krete holen wir genau sie ein. Oben dann großartige Vistas über Cheltenham, strahlender Sonnenschein, aber diesig, Weitsicht würde Großes erlauben, auch später: Von Crickley Hill könnte man den Turm der Kathedrale von Gloucester sehen. Auf Crickley Hill sind wir aber bereits etwas ungehalten: Man führt uns 500 Meter zu einem Aussichtspunkt, um uns dann die gleichen 500 Meter zurück zu führen. Aussichten haben wir bereits viele genossen, wir möchten vorwärts kommen. Man wird geizig, wenn die Blase am Zeh weiter ribscht.
Kaum dass wir uns das Ziel langsam ausrechnen können, verlieren wir den Weg und als ich andere Wanderer sehe, bin ich nur so lange erleichtert, bis ich rechts unten die Reservoirs von Witcombe sehe — zum zweiten Mal heute, wir haben einen 40-Minuten-Kreis im Wald gedreht, genau an der steilsten Stelle dieser ersten 80 Kilometer. Beim zweiten Aufstieg stehen oben auch die jungen Engländer von eben, sie lachen herzhaft und als wir sie später an einem weiteren steilen Aufstieg noch einmal sehen, fragt einer, ob ich den auch ein zweites Mal machen möchte.
Die letzten Kilometer geht es über einen Golfplatz und an einem Friedhof vorbei, es kommt auch noch einmal eine neolithische Begrabungsstelle, ich spüre nur noch meine Fußsohlen und kein historisches Interesse mehr.
Der Landlord fährt uns die Meile nach Painswick, wir essen im Falcon Hotel sehr gut und werden müde und müder. Den Heimweg finden wir einigermaßen gut durch dunkle Aussenweiler dieses sehr kleinen Dorfes. Am Ende des Tages sind es 38km. Eine Blase an einer Zehe ersetzt die verkaterten Schienbeine, denen es deutlich besser geht. Morgen wartet der zweite Erholungstag: Nur 24 Kilometer. Danach folgen 32 und 30.5.

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